Archiv für März 2006

Diese Jugend

Nachdem in den letzten Wochen schon einige fundamentalistische Medien in Deutschland auf die Kampagne BattleCry aufmerksam gemacht haben, publiziert telepolis dazu einen Artikel von Florian Rötzer.
BattleCry versteht sich als Bewegung, welche die Jugend vor dem kulturellen Zerfall und dem schlechten Einfluss der Medien schützen will. Als Lösung der vorgeblichen Probleme mit Fernsehn, Internet, Drogen und den Attacken gegen Gott wird die christliche Gemeinschaft gepriessen. Aktuell gestaltet sich BattleCry als eine Anzahl von Großveranstaltungen und Missionsfahrten. Dabei ist das Programm und die Ästhetik auf Jugendliche zugeschnitten. Beim ersten Event in San Francisco sollen sich 25.000 Jugendliche zu einer Veranstaltung dieser Kampagne getroffen haben, geplant sind eine Reihe weiterer. Daneben werden so genannte BattlePlans propagiert, welche den persönlichen Erfolg im Kampf gegen die schlechten Einflüsse der Gesellschaft verzeichnen sollen.
Nach Europa zielt diese Bewegung bisher noch nicht. Aber sie wird in der hiesigen Szene des radikalen Christentums wahrgenommen.

Angriff auf die Evolution

Wieder einmal erschien in den letzten Tagen ein Buch aus dem christlich-fundamentalistischem Spektrum, dass versucht die Evolution zu widerlegen. So etwas geht in Deutschland heutzutage nicht so einfach, deshalb wenden Autorinnen und Autoren ein Strategie an, die auch in diesem Buch, „Naive Fragen zur Evolution“ von dem Opus-Dei-Mitglied Peter Blank zum Tragen kommt.
Dabei muss man sich darüber klar sein, was auf dem Spiel steht. Wenn die Arten sich verändern, so wie es Darwin nachgewiesen hat, gibt es keinen allmächtigen Schöpfergott und damit bricht das Weltbild des christlichen Fundamentalismus zusammen. Der einzige Ausweg wäre zu behaupten, dass Gott die Arten geschaffen hätte und sie sich anschließend entwickeln durften. Da der christliche Fundamentalismus allerdings von der Anwesenheit Gottes ausgeht, ist das – zumindest für einige – undenkbar.
Die Strategie ist einfach. Als erstes wird die Evolutionstheorie als platte und naive These dargestellt. Die gesamte Forschung zur Evolution, die wissenschaftliche Diskussion, die Fortschritte, auch die Kritik von feministischer und wissenschaftskritischer Seite, sogar die Schriften des „Haupgegners“ Darwin werden ignoriert. Evolution hieße, dass sich alles durch Zufall entwickeln würde. Damit schafft der christliche Fundamentalismus einen Feind, der so nicht existiert, aber genügend einfach erscheint, um angegriffen zu werden.
Im zweiten Schritt werden Zweifel geäußert, die als naiven Fragen kaschiert werden. Das Auge sei doch zu komplex, um nur zufällig entstanden zu sein, die mögliche Varianz bestimmter Tierarten sei zu groß, als das genau das herauskommen könnte, was herausgekommen ist. Dadurch, das jedweder weitergehender Erklärungsansatz, den die Evolutionstheorie bietet, als gerade der reine Zufall ignoriert wird, erscheinen auf einmal immense unerklärte Phänomene.
Aber auch das wäre kein Problem. Zweifel zu äußern, Unstimmigkeiten in Argumentationen aufzudecken, Ergebnisse neu zu deuten ist die Aufgabe wissenschaftlichen Arbeitens. Und auf dem Gebiet der Evolution ist noch einiges zu Forschen. Aber darum geht es dem christlichen Fundamentalismus nicht. Er stellt im nächsten Schritt die einfach Dichotomie auf: Wenn es kein Zufall ist, dann muss es Gott sein. Die Überlegung ist natürlich falsch. Selbst wenn etwas noch nicht erklärt werden kann, muss noch lange nicht Gott dahinterstecken. Das aber ist die Taktik solcher Schriften: immer wenn ein scheinbarer Widerspruch aufgetan wird, folgt die Behauptung hier sei Gott am Werk. Etwas anderes zu denken wird einfach nicht als möglich betrachtet.
Das Problem dabei ist, dass solche Schriften immer öfter erscheinen und dies auch in einigermaßen renommierten Verlagen. Das jetzt erschienen stammt zum Beispiel aus dem Sankt Ulrich Verlag, der auch die Katholische Sonntagszeitung veröffentlicht, die bisher als konservativ, aber nicht unbedingt als fundamentalistisch gilt. Die Diskussion wirkt nicht mehr nur auf die eigenen fundamentalistischen Kreise, sondern wird teilweise auch schon in anderen Zusammenhängen als ernsthafte These diskutiert.
Dazu trägt auch die Biologie selber bei, die teilweise dargestellt wird, als hätte sie fertige und unbefragbare Erklärungen für die meisten Phänomene der Natur. Dem ist nicht so, wie auf jedem wissenschaftlichen Feld ist weiter zu forschen. Und eine Wissenschaft, die sich als Prozess präsentiert, der Ergebnisse nicht nur als richtig oder falsch, sondern als diskutierbar darstellt, wäre hilfreich, um die an sich durchsichtigen Angriffe von christlich-fundamentalistischer Seite unwirksam werden zu lassen.

Feminismus ist Mord

Ein Themenfeld, dass der christliche Fundamentalismus auch in Deutschland stark bearbeitet, ist der sogenannte Lebensschutz. Dieser Begriff ist etwas irreführend. Es geht dabei um die Position, das Abtreibung immer Mord sei, da sie ein von Gott gegebenes Leben zerstören würde. Insoweit geht es Lebensschutzorganisationen um ein striktes Abtreibungsverbot aufgrund biblischer Argumente. Dabei verbreiten sie immer wieder neue Horrormeldungen, die einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht Stand halten. Aber darum geht es auch nicht.
Ein Hauptgegner, den die Lebensschutzgruppen immer wieder ausmachen, ist der Feminismus. Für sie stellt er, in welcher Form auch immer er auftritt, einen Angriff auf das Leben da. Der Feminismus würde zu einer „falschen Freiheit“ führen, in der sich die Frauen gegen Gottes Gabe entscheiden würden. Sehr oft wird sich der – trotz aller Rückschläge – anhaltende Trend zur Liberalisierung der Abtreibung als Auswirkung einer breit angelegten feministischen Kampagne beschrieben. Diese Auffassung orientiert sich an der Terminologie und Symbolik von Verschwörungstheorien.
Zum 8. März 2006, dem internationalen Frauentag, thematisierte die fundamtentalistische Nachrichtenagentur aus dem katholischen Spektrum kath.net diese Vorstellung in ihrer Meldung Wenn ein Frauenrecht die Frauen richtet:

8. März, Weltfrauentag: Auf den ersten Blick ein Recht auf Selbstbestimmung, auf den zweiten Blick eine massive Selbstverletzung – Abtreibung. [mehr]

Hier wird offensichtlich, dass angeblich unpolitische biblische Forderungen des christliche Fundamentalismus einen politischen Gehalt haben.

Argumente gegen Kreationismus

Auf Telepolis gibt es eine kleine Reihe, die sich mit den, nun ja, Argumenten des Kreationismus / Intelligent Design und dem „Minenfeld zwsichen Religion und Evolutionstheorie“ beschäftigt und sie wiederlegen soll.