Archiv für Juni 2006

Kein „Babycaust“

Christlich-fundamentalistische Abtreibungsgegnerinnen und Abtreibungsgegner agieren in Deutschland meist friedlich. Ihre Terminologie unterscheidet sich aber wenig von ihren militanten Mitkämpfenden in anderen Ländern. So wird der Holocaust gerne relativiert, in dem Abtreibungen als „Babycaust“ verteufelt werden und Ärztinnen und Ärzten bei Abtreibungen Mord vorgeworfen wird.1 (Ziel ist es dabei angeblich – nur einmal zu den Relationen – die Seelen der Kinder und Mütter zu retten.)
Nun hat sich ein Arzt gegen diese Bezeichnung gewehrt und vom Bundesverfassungsgericht recht bekommen. Juristisch gilt „Babycaust“ jetzt als Beleidigung. Politisch war das schon vorher unbedingt zu bekämpfen.2
Bundesverfassungsgericht wertet „Babycaust“ als Beleidigung [Deutsches Ärtzeblatt, 22.06.2006]
Drastische Abtreibungs-Kritik kann verboten werden [ngo-online.de, 22.06.2006]
Kein Vergleich mit Holocaust: Abtreibungsärzte gestärkt [n-tv, 22.06.2006]

  1. Beispielsweise auf der gleichnamigen Homepage [hier]. [zurück]
  2. Bisher ist zu diesem Urteil in den Publikation der Abtreibungsgegnerinnen / Abtreibungsgegner nichts verlautbart worden. [zurück]

Argumentationshilfe

In den USA,wo die christlich-fundamentalistische Argumentation gegen die Evolutionstheorie (und über diese gegen die moderne Gesellschaft) weitaus stärker und gefährlicher ist, als hierzulande, gibt es auch einige Menschen mehr, welche sich gegen diese Angriffe zur Wehr setzen. Eine Auswahl, falls es einmal nötig sein sollte, selber zu argumentieren.
pharyngula [Blog]
darwiniana [Blog]
evolutionblog [Blog]
talkreason.org
atheists.org
Creation/Evolution Bibliography Database

Keine Veranstaltung am Donnerstag

Wer immer davon gehört hat, dass wir – die Neue Caritas – am Donnerstag, dem 15.06, eine Veranstaltung durchführen: Sie fällt leider erstmal aus. Grund: Abspracheschwierigkeiten. Es tut uns leid.

Beten soll die Welt verändern

Wenn Gott allmächtigt ist und beten den Kontakt zu ihm herstellt, wie das unter anderem Christinnen und Christen glauben, dann ist es folgerichtig gemeinsames Beten als eine Handlung zu sehen, welche die Welt verändern könne. Das ist die relativ einfache Idee, welche hinter großen gemeinsamenen Gebeten fundamentalistischer Kräfte oder auch von organisierten Gebetswochen steht.1 So finden sich auch immer wieder Aussagen christlicher Gruppen, dass einzig ihre Gebete wichtige Veränderungen – beispielsweise die „Wende“ – bedingt hätten. Die gesamte gesellschaftliche Entwicklung wird in einer solchen Sichtweise ausgeschaltet, jede soziale Auseinandersetzung als unnötig diskreditiert. Eine solche Meinung vertritt laut idea auch D.J. McGuire, Präsident des christlich-fundamentalistischen China Support Network. Seine ernsthaft vertrettene Meinung ist, dass allein das Anwachsen christlicher Gemeinschafen in China – und deren Gebete – zu einem Untergang des dortigen Regimes führen werden.
Das wird – polemisch formuliert – die dortige Opposition gewiss freuen, kann sie doch jetzt einfach mit ihren Aktivitäten aufhören und, der Logik McGuires folgend, sich soweit als möglich anpassen. Und halt im Geheimen beten.

  1. Das kann selbstverständlich auch anders interpretiert werden. Basisgemeinden, die jahrzehntelang Basis sozialer Kämpfe in Lateinamerika darstellten, verstanden gemeinsames Beten vor allem als eine Aktivität sich unter einander Mut zuzusprechen. [zurück]