Gegen „LebenschützerInnen“

Kleber gegen eine Demonstration von sogenannten LebensschützerInnen am 23.09.2006 in Berlin
Aufruf folgt.

Bericht zur gleichen Aktion „1000 Kreuze für das Leben“ 2004 in Berlin

Nicht erst seit 2006 findet die Demonstration „1000 Kreuze für das Leben“ in Berlin statt. Bei der letzten Aktion am 16.Oktober 2004 gab es allerdings das erste Mal Proteste gegen diesen religiös motivierten sexistischen Aufmarsch.
Wie auch für 2006 geplant, begann der Tag pünktlich um 12.00 Uhr auf dem Alexanderplatz.1 Dort wurde eine ungefähr einstündige Kundgebung abgehalten, bei der vorrangig christlich-fundamentalistische Lieder vorgetragen und einige Redebeiträge gehalten wurden. Inhalt dieser Beiträge war die Behauptung, dass Abtreibungen von Gott verboten und deshalb zu unterbinden seien. Dies wurde mit Horrormeldungen über angebliche und reale Spätfolgen solcher Eingriffe untermauert. Dabei wurde auf eine gesellschaftliche Analyse solcher Spätfolgen vollständig verzichtet. Sie wurden implizit als Strafen Gottes an den abtreibenden Frauen beschrieben.
Der Zug setzte sich aus Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Altersstufen zusammen. Dabei überwogen allerdings ältere Menschen. Eine Anzahl von Kindern und Jugendlichen wurden mit Kreuzen an den Anfang des Zuges gestellt. Insgesamt waren 500-600 radikale Christinnen und Christen gekommen.
Die Demonstration selber war als Trauermarsch konzipiert. Es war dunkle Kleidung erwünscht. Nahezu alle Teilnehmenden trugen die von den veranstaltenden Gruppen bereitgestellten, etwas mehr als einem Meter hohen, weißen Kreuze. Es wurde nach der Kundgebung auf eine musikalische Begleitung oder weitere Redebeiträge verzichtet.
Vom Alexanderplatz aus setzte sich der Zug auf der Rathausstraße in Richtung Rotes Rathaus in Bewegung. Dort wurde vor dem Marx/Engels-Forum auf die Spandauer Straße abgebogen und an der nächsten Kreuzung auf die Straße Unter den Linden eingebogen. Dieser folgte der Zug bis zur Höhe des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität und bog dort zur Sankt Hedwigs Kathedrale hinter der Staatsoper ab. Die gleiche Strecke ist offenbar für 2006 vorgesehen.
Von Beginn an wurde 2004 die Veranstaltung durch Proteste unterschiedlicher Gruppen begleitet. Es gab sowohl lautstarke Einwürfe von Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern, spontane Kundgebungen, teilweise auch solche mit Transparenten. Auf Höhe des heutigen Radisson Hotels kam es aus einer Gruppe zu Attacken mit Farbbeuteln. All diese Proteste wurden relativ schnell von der aggressiv vorgehenden Polizei unterbunden. Diese war offenbar der Meinung, dass ein Trauerzug – auch wenn er nicht für Tote stattfindet – in vollkommener Ruhe zu erfolgen habe.
In den Berichten der veranstaltenden Gruppen wird später von gerade einmal 20 Demonstrierenden gesprochen. Insgesamt waren aber mindestens 100-150 Menschen direkt an Protesten beteiligt. Dabei machten diese Aktionen offensichtlich einigen Eindruck auf die bis dahin solche Proteste ungewohnten Christinnen und Christen. In dem im Anschluss abgehaltenen Bittgottesdienst waren sie durchgängiger Gesprächsstoff. Das erste Gebet ging auch direkt für die Protestierenden an Gott, der sie bitte von ihren falschen Meinungen abbringen möge. Geleitet wurde der Gottesdienst vom katholischen Pater Gerold Jäger und dem freikirchlichen Pfarrer Axel Nehlsen. Beide sind in ihren Kreisen als besonders radikale Fundamentalisten bekannt und simulierten durch diesen Auftritt eine Form bibelfester Ökumene.
Inhaltlich konnten sich an diesem Tag die Lebensschützerinnen und -schützer nicht in der Öffentlichkeit äußern. Dafür war allerdings die Veranstaltung auch nicht angelegt. Hauptaufgabe schien es vielmehr zu sein, sich intern von der Richtigkeit der eigenen Meinung zu bestätigen. Ob 2006 aufgrund der Proteste vor zwei Jahren hier Änderungen ergeben haben muss sich noch zeigen. Die Aufrufe lassen nicht darauf schließen.

  1. Ursprünglich sollte dies auch 2006 die Route sein. Allerdings wird jetzt auf einigen Homepage zu einer kürzeren Route von Roten Rathaus zur Hedwigeskathedrale aufgerufen. Der Rest des Weges wird höchstwahrscheinlich gleich bleiben. [zurück]

3 Antworten auf “Gegen „LebenschützerInnen“”


  1. 1 Dieter 19. September 2006 um 13:32 Uhr

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeine freiheitlich demokratische Grundordnung dadurch gefährdet sein könnte, dass Christen gegen Abtreibung protestieren.
    Wohl aber, wenn Aufrufe erfolgen, genehmigte Kundgebungen zu stören.
    Das bitte ich die Organisatoren dieses Aufrufes hier auch zu bedenken!
    Eine Protestaktion gegen Abtreibung als sexistisch zu bezeichnen ist wohl arg weit hergeholt

    Anmerkung:
    1. Tach, werte „LebensschützerInnen“,
    2. Wenn Sie wirklich fragen, was an dieser „Protestaktion“ sexistisch sein soll, dann ist Ihnen wohl auch nicht mehr zu helfen. Lassen Sie doch einfavch den Rest der Welt mit Ihren moralischen Ansichten in Ruhe, dann wird sich auch niemand davon angegriffen fühlen. Aber wenn Sie tatsächlich glauben mit ihren Ansichten andere Leute zu einem Handeln zwingen zu dürfen, ohne auf Widerstand zu treffen, sind Sie wahrlich durcheinandern.

    (Wir lassen es heute bei Polemik. Argumenten sind Sie eh‘ nicht aufgeschlossen, weil sie gegen die Ihr Kreuz hochhalten und sich auf der richtigen Seite wähnen.)

  2. 2 Jörg 19. September 2006 um 16:54 Uhr

    Was seid ihr denn für reaktionäre Würstchen? Was ist sexistisch daran, wenn Leute aus IHREN Gewissensgründen auf die Straße gehen? Man muss nicht ihrer Meinung sein. Aber euer Hetzartikel ist reiner Verbal-Faschismus.

    Manche Leute haben ein Demokratie-Verständnis, das einem dunklen kalten Bunker gleicht. Ein paar Ewig-Gestrige wie ihr mögen sich darin wohlfühlen, weil sie vielleicht nichts Besseres kennen gelernt haben. Das wird sich ja vielleicht noch einmal ändern. Aber verschont doch bitte bis dahin den Rest der Welt mit eurer Intoleranz.


    Wer einen Protest gegen Tugendterror und religiösen Irrsinn als Faschismus beschreiben muss – besonders bevor er überhaupt stattgefunden hat – schließt sich als Diskutant selber aus. 1. ) Hat er/sie keine Ahnung vom Faschismus und 2.) reagiert er/sie offenbar ohne jedes Nachdenken bei jeder Kritik.

    Darüber weigern wir uns einfach zu diskutieren. Es ist uns zu dumm.

    Wer allerdings unterstützt, dass Menschen wegen religiösem Wahnsinn zu einer Entscheidung gezwungen werden sollen, die ihren Körper (und ihr Wohlbefinden und ihre Zukunft) betrifft , die/der muss sich vorwerfen lassen, Machtapperate für eine Idee (die Religion) einsetzen zu wollen, die nicht weiter sein sollte, als eine Privatentscheidung.

  3. 3 Kassandra 20. September 2006 um 11:06 Uhr

    Hoch lebe die Toleranz, jedem und allem gegenüber. Das wird dann noch mit einem Mäntelchen der Denkfreiheit übergossen: „Man wird doch mal sagen dürfen…“ Das Ergebnis kann nur noch Ekel erzeugen, aber sicher nicht die Basis einer konstruktiven Diskussion sein. Zumal diesem Wunsch nach klarer Debatte – wurde in diesem Fall schon tausendmal geführt – und der daraus abgeleiteten Konsequenz – ich bin Frau, ich darf entscheiden (gerne auch zusammen mit meinem Partner/ meiner Partnerin) – diese Toleranz nicht erfährt.
    Aber natürlich ist man ja auch deshalb gerne Christ, weil ein Mensch mit Gott hinter sich nicht mehr reflektieren braucht…
    Aber, um mit EUREN, liebe Vorredner, Worten zu sprechen:
    Ich komme den christlichen Protest gerne besuchen, gehe sozusagen aus MEINEN Gewissensgründen auf die Straße – für ein selbstbestimmtes Leben, glückliche und gewollte Kinder, gegen die revisionistische Tyrannei einer männlich dominierten Kirche.
    Bitte stört mich nicht.

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