Archiv der Kategorie 'Berlin'

Lebenschutz rennend

Von der Demonstration der „Lebenschützerinnen und Lebenschützer“ am letzten Samstag ist nicht viel zu berichten. Obwohl die Zahl der Gegendemonstratinnen und -demonstranten klein war, war es kein Erfolg für die veranstaltenden Organisationen. Zum einen kamen einfach wenige Menschen, um gegen diese Aktion zu protestieren, da an diesem Tag zahlreiche andere Aktivitäten anstanden. Dies wird beim nächsten Versuch gewiss anders sein. Und dies, obwohl schon die kleinen Gruppen die Manifestation erheblich einschränkten und deren religiösen und sexistischen Irrsinn offen als solchen benennen konnten.
Zum anderen ging die Demo selber im Trubel um den Berlinmarathon, welcher ebenfalls in Berlin-Mitte stattfand, vollkommen unter. Die Lebenschutz-Gruppen blieben unter sich und ließen in ihren Beiträgen auch keine neuen Argumente oder Strategien zur Durchsetzung ihrer Ziele erkennen. Zahlenmäßig waren sie etwas weniger, als 2004. Die von ihnen belegte Strecke war kurz und der gesamte Spuk nach zwei Stunden wieder vorbei. Wenn, dann hat diese Demo höchstens intern etwas genützt.
Ein längerer Bericht (in englisch) läßt sich auf yeahpope lesen.

Gegen „LebenschützerInnen“

Kleber gegen eine Demonstration von sogenannten LebensschützerInnen am 23.09.2006 in Berlin
Aufruf folgt.

Bericht zur gleichen Aktion „1000 Kreuze für das Leben“ 2004 in Berlin

Nicht erst seit 2006 findet die Demonstration „1000 Kreuze für das Leben“ in Berlin statt. Bei der letzten Aktion am 16.Oktober 2004 gab es allerdings das erste Mal Proteste gegen diesen religiös motivierten sexistischen Aufmarsch.
Wie auch für 2006 geplant, begann der Tag pünktlich um 12.00 Uhr auf dem Alexanderplatz.1 Dort wurde eine ungefähr einstündige Kundgebung abgehalten, bei der vorrangig christlich-fundamentalistische Lieder vorgetragen und einige Redebeiträge gehalten wurden. Inhalt dieser Beiträge war die Behauptung, dass Abtreibungen von Gott verboten und deshalb zu unterbinden seien. Dies wurde mit Horrormeldungen über angebliche und reale Spätfolgen solcher Eingriffe untermauert. Dabei wurde auf eine gesellschaftliche Analyse solcher Spätfolgen vollständig verzichtet. Sie wurden implizit als Strafen Gottes an den abtreibenden Frauen beschrieben.
Der Zug setzte sich aus Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Altersstufen zusammen. Dabei überwogen allerdings ältere Menschen. Eine Anzahl von Kindern und Jugendlichen wurden mit Kreuzen an den Anfang des Zuges gestellt. Insgesamt waren 500-600 radikale Christinnen und Christen gekommen.
Die Demonstration selber war als Trauermarsch konzipiert. Es war dunkle Kleidung erwünscht. Nahezu alle Teilnehmenden trugen die von den veranstaltenden Gruppen bereitgestellten, etwas mehr als einem Meter hohen, weißen Kreuze. Es wurde nach der Kundgebung auf eine musikalische Begleitung oder weitere Redebeiträge verzichtet.
Vom Alexanderplatz aus setzte sich der Zug auf der Rathausstraße in Richtung Rotes Rathaus in Bewegung. Dort wurde vor dem Marx/Engels-Forum auf die Spandauer Straße abgebogen und an der nächsten Kreuzung auf die Straße Unter den Linden eingebogen. Dieser folgte der Zug bis zur Höhe des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität und bog dort zur Sankt Hedwigs Kathedrale hinter der Staatsoper ab. Die gleiche Strecke ist offenbar für 2006 vorgesehen.
Von Beginn an wurde 2004 die Veranstaltung durch Proteste unterschiedlicher Gruppen begleitet. Es gab sowohl lautstarke Einwürfe von Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern, spontane Kundgebungen, teilweise auch solche mit Transparenten. Auf Höhe des heutigen Radisson Hotels kam es aus einer Gruppe zu Attacken mit Farbbeuteln. All diese Proteste wurden relativ schnell von der aggressiv vorgehenden Polizei unterbunden. Diese war offenbar der Meinung, dass ein Trauerzug – auch wenn er nicht für Tote stattfindet – in vollkommener Ruhe zu erfolgen habe.
In den Berichten der veranstaltenden Gruppen wird später von gerade einmal 20 Demonstrierenden gesprochen. Insgesamt waren aber mindestens 100-150 Menschen direkt an Protesten beteiligt. Dabei machten diese Aktionen offensichtlich einigen Eindruck auf die bis dahin solche Proteste ungewohnten Christinnen und Christen. In dem im Anschluss abgehaltenen Bittgottesdienst waren sie durchgängiger Gesprächsstoff. Das erste Gebet ging auch direkt für die Protestierenden an Gott, der sie bitte von ihren falschen Meinungen abbringen möge. Geleitet wurde der Gottesdienst vom katholischen Pater Gerold Jäger und dem freikirchlichen Pfarrer Axel Nehlsen. Beide sind in ihren Kreisen als besonders radikale Fundamentalisten bekannt und simulierten durch diesen Auftritt eine Form bibelfester Ökumene.
Inhaltlich konnten sich an diesem Tag die Lebensschützerinnen und -schützer nicht in der Öffentlichkeit äußern. Dafür war allerdings die Veranstaltung auch nicht angelegt. Hauptaufgabe schien es vielmehr zu sein, sich intern von der Richtigkeit der eigenen Meinung zu bestätigen. Ob 2006 aufgrund der Proteste vor zwei Jahren hier Änderungen ergeben haben muss sich noch zeigen. Die Aufrufe lassen nicht darauf schließen.

  1. Ursprünglich sollte dies auch 2006 die Route sein. Allerdings wird jetzt auf einigen Homepage zu einer kürzeren Route von Roten Rathaus zur Hedwigeskathedrale aufgerufen. Der Rest des Weges wird höchstwahrscheinlich gleich bleiben. [zurück]

Keine Veranstaltung am Donnerstag

Wer immer davon gehört hat, dass wir – die Neue Caritas – am Donnerstag, dem 15.06, eine Veranstaltung durchführen: Sie fällt leider erstmal aus. Grund: Abspracheschwierigkeiten. Es tut uns leid.

Religion und Politik

Vielleicht etwas Off Topic, aber auch nicht ganz. Vor allem sehr hochtrabend:
20.02.2006, 18.00-20.00 Uhr, im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Reichpietschufer 50, Berlin
The Return of the Moral Majority? Gay Marriage, Religion and American Politics
Speaker: Patrick Guerriero, President, Log Cabin Republicans; Prof. D. Sunshine Hillygus, Assistant Professor of Government, Harvard University; Dr. Jeffrey Richter, Adjunct Lecturer in History & Sociology, George Mason University (chair and co-organizer); Evan Wolfson, Executive Director, Freedom to Marry
vom: Harvard center for european studies – Berlin
Anmeldung hier