Archiv der Kategorie 'Diverses und Absurdes'

Beten soll die Welt verändern

Wenn Gott allmächtigt ist und beten den Kontakt zu ihm herstellt, wie das unter anderem Christinnen und Christen glauben, dann ist es folgerichtig gemeinsames Beten als eine Handlung zu sehen, welche die Welt verändern könne. Das ist die relativ einfache Idee, welche hinter großen gemeinsamenen Gebeten fundamentalistischer Kräfte oder auch von organisierten Gebetswochen steht.1 So finden sich auch immer wieder Aussagen christlicher Gruppen, dass einzig ihre Gebete wichtige Veränderungen – beispielsweise die „Wende“ – bedingt hätten. Die gesamte gesellschaftliche Entwicklung wird in einer solchen Sichtweise ausgeschaltet, jede soziale Auseinandersetzung als unnötig diskreditiert. Eine solche Meinung vertritt laut idea auch D.J. McGuire, Präsident des christlich-fundamentalistischen China Support Network. Seine ernsthaft vertrettene Meinung ist, dass allein das Anwachsen christlicher Gemeinschafen in China – und deren Gebete – zu einem Untergang des dortigen Regimes führen werden.
Das wird – polemisch formuliert – die dortige Opposition gewiss freuen, kann sie doch jetzt einfach mit ihren Aktivitäten aufhören und, der Logik McGuires folgend, sich soweit als möglich anpassen. Und halt im Geheimen beten.

  1. Das kann selbstverständlich auch anders interpretiert werden. Basisgemeinden, die jahrzehntelang Basis sozialer Kämpfe in Lateinamerika darstellten, verstanden gemeinsames Beten vor allem als eine Aktivität sich unter einander Mut zuzusprechen. [zurück]

Der Teufel schläft nicht

Ein für Außenstehende immer wieder verwunderlicher Grundzug des christlichen Fundamentalismus ist der unbedingte Glaube an die Existenz nicht nur Gottes, sondern auch des Teufels. Doch viele christlichen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten sehen sich ernsthaft inmitten einer akuten Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Mächten. Deshalb identifizieren sie auch beständig das Böse in der Welt. Besonders nervös macht sie die „Beschwörung“ des Bösen mittels „okkulter Rituale“. Die Idee dahinter ist, dass solche Rituale dem Bösen einen Weg in die Welt ermöglichen und helfen von den Seelen der Menschen Besitz zu ergreifen. Dieser Argumentation klingt zwar wie aus schlechten Komödien abgeschrieben, dennoch wird er tatsächlich vertreten.
Während sich nun, Ende April im Harz die Tourismusverbände auf die Walpurgisnacht vorbereiten, in welchen sie Volksfeste veranstalten wollen, beschwert sich ein baptistischer Pastor darüber über dieses Feiern.

„Mit dem Teufel ist nicht zu spaßen“, sagte [Roland Friedrichsen] gegenüber idea. […] Pastor Friedrichsen ist besorgt darüber, daß der okkulte Charakter von Walpurgis bei den volksfestartigen Angeboten immer mehr in Vergessenheit gerate.

Offensichtlich ist der Gedanke, dass die Säkularisierung nicht nur dazu geführt hat nicht mehr an Gott, sondern auch an den Teufel nicht mehr zu glauben ihm nicht geheuer. Wie er deuten einige Christinnen und Christen1 gerade solche Feste als Zeichen des bevorstehenden Untergangs, da – so komisch das klingen mag – die angebliche Macht des Teufel immer mehr „vergessen“ wird.

  1. Die Partei Bibeltreuer Christen fordert zum Beispiel in ihrem Grundsatzprogramm deshalb „ein Verbot von Astrologie, Wahrsagerei und Horoskopen an allen öffentlichen Schulen und Bildungseinrichtungen und eine gezielte, gründliche und praktische Aufklärung über die grausamen Spätfolgen solcher antigöttlichen Praktiken.“ [zurück]

Argumente gegen Kreationismus

Auf Telepolis gibt es eine kleine Reihe, die sich mit den, nun ja, Argumenten des Kreationismus / Intelligent Design und dem „Minenfeld zwsichen Religion und Evolutionstheorie“ beschäftigt und sie wiederlegen soll.

Bekehrungsvorstellungen

Die meisten FundamentalistInnen, auch christliche, gehen davon aus, dass ihre Meinung oder Religion an sich leicht verständlich sei. Die Vorstellung ist oft die, dass wenn ein Mensch einmal einen richtigen, unverfälschten Zugang zu der jeweiligen Religion gefunden hat, diese sofort einleuchtet und der Einzelne sich anschließend bekennen wird, sogar muss. Auf dieser Idee basieren die zahlreichen Bibelgesellschaften, die versuchen so viel als möglich Bibeln zu verbreiten und deren Text in so viel als möglich Sprachen zu übersetzten.
Eine solche Ansicht steht aber auch hinter der Meldung bei idea.de [der wichtigsten christlich-fundamentalistischen Nachrichtenagentur], dass zahlreiche „Moslems […] christliche Informationen im Internet [suchen]“:

G r a n d R a p i d s (idea) – Christliche Internetseiten haben eine starke Wirkung auf Moslems. Nach Angaben des US-amerikanischen Forschungsinstituts Strategic Resource Group (SRG) werden christliche Internetseiten rund neun Millionen Mal pro Monat von Nutzern aus dem Mittleren Osten angeklickt.

Die Vorstellung ist die, dass die Beschäftigung von MuslimInnen mit dem Christentum dazu führen wird, dass diese bald selber zu ChristInnen werden. Andere Erklärungen, zum Beispiel reines Interesse oder aber ein Zusammenhang zum gegenwärtigen „Karikaturenstreit“, werden ausgeschlossen. Eine hohe [muslimische] Klickrate bedeutet hier einen Missionerfolg.