Archiv der Kategorie 'Recherchen'

Argumentationshilfe

In den USA,wo die christlich-fundamentalistische Argumentation gegen die Evolutionstheorie (und über diese gegen die moderne Gesellschaft) weitaus stärker und gefährlicher ist, als hierzulande, gibt es auch einige Menschen mehr, welche sich gegen diese Angriffe zur Wehr setzen. Eine Auswahl, falls es einmal nötig sein sollte, selber zu argumentieren.
pharyngula [Blog]
darwiniana [Blog]
evolutionblog [Blog]
talkreason.org
atheists.org
Creation/Evolution Bibliography Database

Charakteristika, katholischer Fundamentalismus

Wolfgang Beinert gibt in seinem Beitrag „Der ‚katholische‘ Fundamentalismus und die Freiheitsbotschaft der Kirche [in: derselbe (Hrsg.) / „Katholischer“ Fundamentalismus : Häretische Gruppen in der Kirche?, Regensburg, 1991, Seite 52-89] folgende Merkmale des katholischen Fundamentalismus an:

  • intensive Glaubenspraxis [auch als Frömmigkeit ohne „richtigen Glauben“ kritisiert]
  • Intransigenz [Unveränderlichkeit der Glaubenssätze] und daraus folgend eine starke Kriegsmetaphorik
  • Isolierung [nicht als Einsamkeit, sondern als Elitenpraxis verstanden, Ausformung eines starken „Wir“ in der eigenen Gruppe]
  • Autoritarismus [dabei geht es um die Funktion des/der Amtsträgers, nicht um die Person selber]
  • Dualismus [meint hier dichotomes Denken, auch auf das eigene Selbst als „nur gut“ bezogen]
  • Reduktionismus [der Wirklichkeit]
  • Heilmonismus [nur ein Glaube, ein bestimmtes Ding, kann selig machen: zum Beispiel der Glaube an Maria, an die Dogmatik Pius V. und so weiter]
  • Traditionalismus [als rükwärtsgewandte Utopie]
  • Absolutheitsanspruch des eigenen Glaubens
  • Diskurs- [besser wohl: Diskussions-] unfähigkeit

Allerdings ist dieser Beitrag sehr kritisch zu betrachten. Als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Regensburg hat er wohl nicht zufällig den gleichen Job wie der jetzige Papst innegehabt. So versucht er in seinem Text beständig die „liebende“ und tolerante katholische Kirche gegen den Fundamentalismus in der eigenen Reihen zu verteidigen. Richtig nachvollziehbar wird das allerdings nicht.
Trotzdem soll der Ansatz nicht verschwiegen werden, auch wenn der in Deutschland aktive christliche Fundamentalismus größtenteils freikirchlich orientiert zu sein scheint.

Systematisierungsvorschlag

Heinrich Schäfer gibt in seinem Buch Protestantismus in Zentralamerika : Christliches Zeugnis im Spannungsfeld von US-amerikanischem Fundamentalismus, Unterdrückung und Wiederbelebung „indianischer“ Kultur (Frankfurt a.M. u.a. : Peter Lang, 1992) folgende Kategorien, anhand deren er unterschiedliche Kirchen / Sekten / religiöse Gruppen differenzieren kann:

  • Schwerpunkt der (aktuellen) Lehre
  • Form der „Gnadenvermittlung“ (durch die Kirche, einfach so, durch Gott direkt etc.)
  • Offenbarungsquellen und der Umgang mit ihnen (heilige Texte, Tradition, konkrete Praxis etc.)
  • Konzept(e) der Mission
  • Sozialethik und politische Ethik
  • Rechtfertigung des „Sünders“ [d.h. Menschen] (muss sie/er was tun, um gerecht zu sein, gibt es die Rechtfertigung von Gott, durch die Existenz etc.)
  • Eschatologie [Lehre von den letzten Dingen] (Aktuell, Anspruch und Entwicklung)
  • Gottesdienstform(en)
  • Gegenwart des „Heiligen Geistes“ (Form und Möglichkeiten des Empfanges)
  • Verhältniss der jeweiligen Kirche zur Gesellschaft
  • Tendenz zur Universalität und Form dieser Tendenz
  • gemeinschaftliche (interne) Bindungen
  • Bürokratisierung und Struktur des Apparates
  • Produktion der Religion / Religiösität (Form, Intensität, Laien oder Ausgebildete, Alle oder eine Elite)

Diese Kriterien sind offensichtlich auf das Christentum bezogen und wären für einen Vergleich von unterschiedlichen Religionen unbrauchbar. Im Falle des christlichen Fundamentalismus liessen sie sich aber vielleicht doch verwenden. Zumal man so die Möglichkeit hat, für klarer definierte Bereiche Aussagen zu treffen und „Werte“ festzulegen, ab wann man von Fundamentalismus sprechen will.