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Überblick christlicher Fundamentalismus

Bei Telepolis gibt Markus Hammerschmitt einen aktuellen Überblick zu den Entwicklungen im christlichen Fundamentalismus. Christliche Fanatiker auf dem Vormarsch(29.09.2006).

Beten soll die Welt verändern

Wenn Gott allmächtigt ist und beten den Kontakt zu ihm herstellt, wie das unter anderem Christinnen und Christen glauben, dann ist es folgerichtig gemeinsames Beten als eine Handlung zu sehen, welche die Welt verändern könne. Das ist die relativ einfache Idee, welche hinter großen gemeinsamenen Gebeten fundamentalistischer Kräfte oder auch von organisierten Gebetswochen steht.1 So finden sich auch immer wieder Aussagen christlicher Gruppen, dass einzig ihre Gebete wichtige Veränderungen – beispielsweise die „Wende“ – bedingt hätten. Die gesamte gesellschaftliche Entwicklung wird in einer solchen Sichtweise ausgeschaltet, jede soziale Auseinandersetzung als unnötig diskreditiert. Eine solche Meinung vertritt laut idea auch D.J. McGuire, Präsident des christlich-fundamentalistischen China Support Network. Seine ernsthaft vertrettene Meinung ist, dass allein das Anwachsen christlicher Gemeinschafen in China – und deren Gebete – zu einem Untergang des dortigen Regimes führen werden.
Das wird – polemisch formuliert – die dortige Opposition gewiss freuen, kann sie doch jetzt einfach mit ihren Aktivitäten aufhören und, der Logik McGuires folgend, sich soweit als möglich anpassen. Und halt im Geheimen beten.

  1. Das kann selbstverständlich auch anders interpretiert werden. Basisgemeinden, die jahrzehntelang Basis sozialer Kämpfe in Lateinamerika darstellten, verstanden gemeinsames Beten vor allem als eine Aktivität sich unter einander Mut zuzusprechen. [zurück]

Aktionen gegen LebenschützerInnen

Aus Wien wird eine feministische Aktion gegen LebensschützerInnen gemeldet. Lebenschutz ist die selbstgewählte Bezeichnung für christlich-fundamentalistische AbtreibungsgegnerInnen. Die Aktion wurde von einer feministischer Gruppe getragen, die argumentiert und auftritt wie in den 1980ern und deshalb eigentlich auch kritisiert gehört (Stichwort: Essentialismus). Das macht allerdings die Aktion nicht weniger berechtigt.
FrauenLesbenprotest gegen religiöse Fanatiker im NIG [at.indymedia.org]
Dazu passt auch die Meldung, dass Erika Steinbach als Menschenrechtsbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion laut der radikal christlichen Nachrichtenagentur idea ernsthaft amnesty international [ai] dafür kritisiert, dass ai die Verbot von Abtreibungen als Menschenrechtsverletzung fassen will.

Diese Jugend

Nachdem in den letzten Wochen schon einige fundamentalistische Medien in Deutschland auf die Kampagne BattleCry aufmerksam gemacht haben, publiziert telepolis dazu einen Artikel von Florian Rötzer.
BattleCry versteht sich als Bewegung, welche die Jugend vor dem kulturellen Zerfall und dem schlechten Einfluss der Medien schützen will. Als Lösung der vorgeblichen Probleme mit Fernsehn, Internet, Drogen und den Attacken gegen Gott wird die christliche Gemeinschaft gepriessen. Aktuell gestaltet sich BattleCry als eine Anzahl von Großveranstaltungen und Missionsfahrten. Dabei ist das Programm und die Ästhetik auf Jugendliche zugeschnitten. Beim ersten Event in San Francisco sollen sich 25.000 Jugendliche zu einer Veranstaltung dieser Kampagne getroffen haben, geplant sind eine Reihe weiterer. Daneben werden so genannte BattlePlans propagiert, welche den persönlichen Erfolg im Kampf gegen die schlechten Einflüsse der Gesellschaft verzeichnen sollen.
Nach Europa zielt diese Bewegung bisher noch nicht. Aber sie wird in der hiesigen Szene des radikalen Christentums wahrgenommen.

Bekehrungsvorstellungen

Die meisten FundamentalistInnen, auch christliche, gehen davon aus, dass ihre Meinung oder Religion an sich leicht verständlich sei. Die Vorstellung ist oft die, dass wenn ein Mensch einmal einen richtigen, unverfälschten Zugang zu der jeweiligen Religion gefunden hat, diese sofort einleuchtet und der Einzelne sich anschließend bekennen wird, sogar muss. Auf dieser Idee basieren die zahlreichen Bibelgesellschaften, die versuchen so viel als möglich Bibeln zu verbreiten und deren Text in so viel als möglich Sprachen zu übersetzten.
Eine solche Ansicht steht aber auch hinter der Meldung bei idea.de [der wichtigsten christlich-fundamentalistischen Nachrichtenagentur], dass zahlreiche „Moslems […] christliche Informationen im Internet [suchen]“:

G r a n d R a p i d s (idea) – Christliche Internetseiten haben eine starke Wirkung auf Moslems. Nach Angaben des US-amerikanischen Forschungsinstituts Strategic Resource Group (SRG) werden christliche Internetseiten rund neun Millionen Mal pro Monat von Nutzern aus dem Mittleren Osten angeklickt.

Die Vorstellung ist die, dass die Beschäftigung von MuslimInnen mit dem Christentum dazu führen wird, dass diese bald selber zu ChristInnen werden. Andere Erklärungen, zum Beispiel reines Interesse oder aber ein Zusammenhang zum gegenwärtigen „Karikaturenstreit“, werden ausgeschlossen. Eine hohe [muslimische] Klickrate bedeutet hier einen Missionerfolg.